Deutschenfeindlichkeit ist richtig. Eine persönliche Abrechnung.

Deutschland stank mir schon von Anfang an. Schwermütig erinnere ich mich an den Gang zur Straßenbahn und dann zum Zug, der mich in dieses Land bringen sollte. Mit einem Eimer voller Aprikosen von unserer Datscha und den Wünschen im Kopf, was ich alles mitbringen sollte: Spielzeug für die Freundinnen, Ohrringe für die Tante und ein Brautkleid für die Kindergärtnerin. In einem Jahr bin ich zurück. Die ukrainischen Freundinnen habe ich nie wieder gesehen, auch nicht die Kindergärtnerin, die Tante bekam Ohrringe von SIX. Aber das ist alles nicht so schlimm.

 

Viel schlimmer war, dass mein Deutschenhass nicht geteilt wurde. Du wurdest gemobbt weil du die Frage nicht verstanden hast? Scheiße. Du wurdest getreten, weil du die Frage nicht verstanden hast? Scheiße. Du wurdest gewürgt, weil du die Frage nicht verstanden hast? Scheiße. Du hast ‘ne vier in Deutsch? Kein Gymnasium. Dann musst du besser lernen. Ein „Scheiße“ reicht nicht. Einen Hitlerwitz mit „Aber meine beste Freundin ist Ausländerin!“ zu entschuldigen reicht nicht. Wenn ich zu einem nahestehenden Menschen sage, der das alles von mir weiß,  „das Verhalten von dir ist total deutsch“ und als Antwort Vorwürfe bekomme und mich entschuldige - das ist falsch.  Zu sagen, „deine Familie ist komisch“, ist verletzend, auch wenn ich das selber finde. Die Gründe sind andere. „Du hast ein rundes Gesicht, du hast ein Mondgesicht, du hast ein slawisches Gesicht.“  Die ewige Leier, ich kann’s nicht mehr hören. Und ich lachte mit und ich machte mit weil ich nicht anders konnte. Und ich paukte Deutsch und ich hörte auf Russisch zu sprechen und kaufte bei H&M. „Dein Deutsch ist aber gut!“, „Du bist aber auch integriert“, „Trinkt deine Familie auch so viel Wodka?“, die Aufzählung ist unendlich. Das werden viele Menschen mit Migrationshintergrund bestätigen können. Immernoch, selbst in Kreisen mit einem anti-rassistischen Anspruch sind Ausgrenzungen und Belächelungen auf der Tagesordnung. Mein Witz ist nicht dein Witz.

Aus dem einen Jahr wurden drei, dann acht, dann war es unklar, dann eine Woche Staatenlosigkeit und dann Einbürgerung. Meine deutschen Freund_innen waren stolz auf letzteres. Ich habe meinen Namen etwas verändert, war nicht teuer, 30€ für das Streichen des „a“s am Ende meines Nachnamens, das der Welt zweifellos zeigen sollte, dass ich eine Frau bin. Die Streichung des Zusatznames (der Vorname des Vaters im Genitiv) habe ich heimlich zelebriert. Weil ICH entscheiden konnte. Prestige-Schule, Prestige-Abschluss, Prestige-Studiengänge. Reale und beigebrachte Existenzangst.

 

Ich bin froh heute Menschen zu kennen, auch weiße Deutsche, die auch deutschenfeindlich sind. Die mir nicht von ihren „Rassismus-Erfahrungen“ als weiße Deutsche erzählen und Solidarität und Entsetzen von mir erwarten. Ich bin auch weiß positioniert und deswegen bin ich immer priviligiert, die Rassismen die ich erlebe sind nicht immer dieselben, die nicht-weiß positionierte Menschen erleben. Das muss ich mir immer wieder spiegeln, mitdenken, welchen Standpunkt ich habe, was meine eigenen Rassismen waren, sind, und dass ich mich auch in Zukunft rassistisch verhalten werde, das muss mir klar sein. Ich komme aus einer akademischen Familie, und der Migrationsknick ändert nichts daran, dass ich mich mit meinen Klassismen auseinander setzen muss.

Ich möchte auf meine Rassismen und Klassismen aufmerksam gemacht werden. Es ist nur komisch, dass das meistens weiß positionierte, der akademischen Mittelschicht angehörige Deutsche tun.

 

Hier bin ich, integriert, so wie ihr mich wolltet.

Auch Gleichbehandlung ist Diskriminierung.

Wenn du voraussetzt, dass ich die Geschichte Deutschlands kenne, wenn du voraussetzt, dass ich Abkürzungen kenne, wenn du denkst, ich wäre vor jeder_m Prüfer_in gleich, wenn du denkst ich habe immer dieselbe Kraft wie du, wenn du besser ankommst, weil du die bessere Sprache hast als ich oder lauter bist als ich, wenn du denkst, ein schönes Haus für meine Familie wäre zu viel, wenn ich mehr Zeit brauche um mich auszudrücken und du mir den Raum nimmst, weil du’s kannst, wenn du denkst, ich habe immernoch keine Angst - dann bist du nicht bei mir willkommen.

Es geht nicht um meine Integration, sondern um deine in mir.

riotgrrrlberlin:

here we go!!! RGBC05 [MANSPLAINING ON THE DANCEFLOOR] UP NOW!!! FREE DOWNLOAD!! plz spread the word ♥PLAYLIST: (alphabetical)4PROPRI8 - Road Trip  A Spoon Called Phranc-Bloody Knowledge  Aivery-You Got Lost  Ana Trash (aka Boom Boom Trash)-Full of Shit  Cat Bear Tree-Crayons  Daisied-Cannibal Eye  Dead by Pregnancy-Sexism  Doll Fight!-Plastic Revolution  Drained Glory-Terminal  Factory Acts-Stock Exchange Fred and Bob-Lady  G.U.T.S.-SuperSHE  in_stereonuts-No, This Song Is Not About You  Kisston-Femme  Lilidollrage-Goddess Of Nothing  Louise Distras-The Hand You Hold  Luise Pop-Fast And Frightening  Mean Bikini-Sick Of Love  Mistress Distress-Shut Up And Die  Molasses-No Weaker A Being  Psy’Aviah-On My Own  Punc(ke-Ritam Kaosa  Salto Nel Buio-La Paura Non Trionfeà  Secondhand Underpants-Get in the Car  See The Train, It’s Yours-The Dream Machine  Sick Sad World-Microwave Cakes  Squid-Leave us alone  The Bloody Muffs-Yoink!  The Boys-Stripper  The Cryptics-Bluebell  Tittenbonus-666 Kisses  V For Vagina - Les Filles De Bikini Kill (You Are Not The Queen Of My Neigbourghood)  Vague-à-bonde-Evolved  Verveine-Wild Recording  ШАПКА!(Schabka!)-ПОИДТЕ ДОМОЙ (Poiditje damoi)
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Unterstützerinnenräume für Männer!

Dieses Jahr wurde meine radikalfeministische Gang vom örtlichen AStA gefragt, ob wir nicht bei der jedes Semester stattfindenden Erstsemester-Party einen Unterstützerinnenraum für Frauen* anbieten könnten. Bei der letzten Party wäre nämlich irgendetwas nicht so cool gelaufen; es gab da ein paar sexistische Vorfälle..wisst ihr?…so halt.

Wir sagten zu. Natürlich, denn auch schon im Jahr davor organisierte die Gang das Frauen*taxi und fuhr die Frauen kostenlos zur Party und nach Hause. Dieses Jahr sollte auch dieses organisiert werden.

Eine intensive Vorbereitungszeit folgte. Insbesondere die Unterstützerinnengruppe telefonierte, plenierte, las Texte zur Definitionsmacht und Unterstützungsarbeit, diskutierte, stritt, und tat alles, was in der Zeit mit der Kapazität und ihrem Stand in der Selbstreflexion möglich war, um einen Schutzraum auf der Party zu ermöglichen. Die ganzen Shitstorms und Priviligierte-Fresse-erklär-mir-was-ein-Unterstützerinnenraum-ist-Fragen im Rücken, hinderten die Gang nicht daran das Konzept durchzuziehen. Ist ja auch nix neues, kenne mer schon…loser! Wach bleiben bis um 8 Uhr morgens und Typen abwehren, kein Problem; mit ein paar Club Mate und illegalem Rauchen geht das schon.

Die Party war eine Katastrophe. Weil das ÄStAchen damit beschäftigt war Geld zu zählen hat die Security autonom entschieden, obwohl die Menge vor dem Gebäude sich zerquetschte, schön weiterzufilzen. Zwei von uns vieren versuchten einzugreifen, aber da die blöde Frauengruppe ja eh nix zu sagen hat muss man ja auch nicht auf sie hören. Unsere Kapazitäten reichten nicht um in die Menge reinzugehen und die Frauen* da rauszuholen. Aber das ist eine andere Story.

Natürlich wurde die Unterstützerinnengruppe ein paar Tage später wieder zugeshitstormt mit dem Vorwurf, sie hätte statt dem Unterstützerinnenraum besser das Gequetsche vor den Türen in den Fokus nehmen sollen. Jaaa stimmt, diese 60 Securitymenschen und die 40 vom AStA, die hatten ja zu tun und man musste posen und es gab Bier und so, habe ich voll Verständnis für! Aber die vier Frauen von dem Unterstützerinnenraum, ey, die haben’s echt verkackt.

Als wäre das alles nicht genug gewesen, erreichte uns eine Kritik von zwei Feministinnen, die in selbiger Stadt früher radikalfeministisch aktiv waren. Es folgten Fragen, warum wir den Unterstützerinnenraum so konzeptualisiert hatten. Warum müssen sich die Frauen* zurückziehen während die Typen auf der Tanzfläche weiterfeiern können? Was ist das für eine Idee der Unterstützung? Das war die beste Kritik, die dazu kommen konnte. Wir begründeten unsere Entscheidung, in Anlehnung an das Konzept der Definitionsmacht, für die Betroffenen zu arbeiten und nicht für die Täter. Alles logisch, aber in meinem Kopf eröffnete sich eine neue Welt: Wir schaffen Männerraume! Das war die häufigste Kritik des Shitstorms, es müsste ja auch Raume für Männer geben! Wollt ihr? - Kriegt ihr!

Wie schön das wäre, wenn es einen großen Raum gäbe, mit einem Schildchen vorne „Nur für Cis-Männer“ mit kostenlosen Zigarren und Hipster-Häppchen, untermalt mit der Musik der Hamburger Schule. <3.

Alle würden sie endlich ihren Raum bekommen, nach dem sie diarrhös schreien. Und die Unterstützerinnengruppe würde sie alle von der Tanzfläche aus dorthin einladen, ihnen abgelaufenes Bier geben und sie für die ganze Party zusperren.

Ja, ich bin dafür, dass Unterstützerinnengruppen Männerräume organisieren!

radical feminism is the only way how to change the sexist normality.

There’s no going back - as long as one has ever arrived there.

bring the hammer down on sexism: 

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